Es ist eine gute Entscheidung, die aus Wiesbaden kam, von den Verantwortlichen der hessischen Landesregierung, und es ist eine richtige Entscheidung: die zahlenmäßigen Zugangsbeschränkungen gehören nun aktuell der Vergangenheit an. Während das Volk über für und wider der neuesten Entscheidungen diskutiert, beschäftigt mich eine ganz andere Frage: wer kümmert sich denn um die Aufarbeitung der letzten 15 Monate? Hat denn keiner auch nur einen Funken Interesse daran, nun mal endlich die Maßnahmen dieser Pandemie-Monate, die stellenweise den Anschein erweckten, sie seien Stammtischwissenschaften entwachsen, eine evidenzbasiert und ehrlich hinsichtlich Wirksamkeit und allumfassenden Auswirkungen zu bewerten?
Jetzt haben wir die Zeit endlich zukunftsorientiert zu agieren, dem Virus mit all‘ seinen noch kommenden Varianten sinnvolle, und nur solche, Maßnahmen entgegenzusetzen um das scheinbar unmöglich dann doch möglich zu machen: das Virus zu bekämpfen, ohne große Teile unserer Bevölkerung, ohne große Teile unserer Wirtschaft und ohne unzähligen Generationen unserer Nachkommenschaft so massiv zu schaden, wie geschehen - ich bin fest davon überzeugt, dass das machbar ist!
Stattdessen nehme ich eine Art Landflucht wahr: alles, was kann, setzt sich in Bewegung, packt die Koffer und holt nun schnell nach, was monatelang unmöglich war. Dabei habe ich mit dem Verreisen an sich überhaupt kein Problem - aber es wirkt mitunter wie eine Flucht auf mich, ein Wegrennen um zu vergessen.
Aber halt! So rufe ich hinterher: macht euren Urlaub, genießt ihn und erholt euch, denn, danach muss die wichtigste Arbeit noch gemacht werden - zumindest von den Verantwortlichen in der Politik! Die müssen nun endlich die Bürgerinnen und Bürger gegen diese Pandemie umfänglich schützen und endlich erkennen, was geholfen hat und was Augenwischerei war. Das öffentliche Eingeständnis unseres hessischen Wirtschaftsministers, finanziell schmerzhafte Ladenschließungen anzuordnen, damit die Bevölkerung erkennt, dass das Übel noch nicht vorbei ist, so etwas darf es nicht mehr geben! Welch‘ eine Bankrotterklärung der Politik, dass diese nicht mehr in der Lage ist, der Bevölkerung den Ernst der Stunde zu erklären, wie man es normalerweise Menschen erklärt, die in der Lage sind selbst zu denken, zu begreifen und vernünftig zu handeln.
Land auf, Land ab sehen wir nun die gesamte Politikelite mit einer scheinbar finalen Frage konfrontiert: wie überstehen wir die Bundestagswahl - und das am besten als Gewinner?!? Und manchmal fühlt man sich wie im Mittelalter: umgeben von Barden deren Überlebensmotto „Wes Brot ich ess‘, des Lied ich sing‘“ ist.
Das letzte Gericht steht ihnen allen noch bevor. Jeder sollte sich daran erinnern, dass das letzte Hemd keine Taschen hat und gerichtet wird nach Matthäus 25,45 „Was ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr auch mit nicht getan!“
Jetzt ist die Stunde der Zukunft - die hessische Landesregierung muss jetzt mit allen Betroffenen Modelle entwickeln, wie wir alle nicht nur sicher nach vorne schauen können, sondern auch sicher nach vorne kommen!
Packen wir es gemeinsam an!
Ihr Jochen Ruths